07/05/2013

Interreligiöse Zusammenarbeit als Rahmenbedingung für den gleichberechtigten Zugang zum Recht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit.

BuchcoverIch möchte Ihnen einige Thesen vortragen, die vor dem Erfahrungshintergrund der regionalen Menschenrechtsarbeit in der Plattform für Menschenrechte formuliert sind; die Plattform ist ein Netzwerk von ca. 30 NGOs, die in Salzburg auf unterschiedlichen Ebenen in der Menschenrechtsarbeit tätig sind. Ich nenne ein paar Beispiele, um das zu illustrieren: die Homosexuellen-Initiative ebenso wie die Katholische Aktion, Diakonie – Evangelischer Flüchtlingsdienst, das Friedensbüro Salzburg, etc. – also eine sehr bunte Mischung. Wir sind als Menschenrechts-NGO im Sinne der Tendenz, die Heiner Bielefeldt heute Vormittag angesprochen hat, untypisch, weil wir uns seit vier Jahren intensiv mit Fragen der Religionsfreiheit und des interreligiösen Dialogs beschäftigen. Allerdings war das von der Entstehungsgeschichte her keineswegs intendiert, und man könnte sagen, wir sind zu diesem Schwerpunktthema gekommen wie „die Jungfrau zum Kind“. Dies aus zwei Gründen: Zum einen geschah dies aufgrund unserer Zusammensetzung, weil sich bei uns eben Menschen ganz unterschiedlichen religiösen Bekenntnisses und Angehörige ganz unterschiedlicher religiöser Gruppierungen und Religionsgemeinschaften für Menschenrechte engagieren und dabei zusammen arbeiten. In der Zielsetzung dieser Arbeit geht es jedoch gar nicht in erster Linie um Religionsfreiheit. Der zweite Grund ist, dass das Thema Religionsfreiheit eben auch hier im Bundesland Salzburg in den letzten Jahren zu einem Thema der öffentlichen Debatte, zu einem Kontrovers-Thema geworden ist – dabei – nicht überraschend – fokussiert auf Fragen des Verhältnisses der Mehrheitsgesellschaft zu den islamischen Gemeinschaften.

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06/03/2013

Ein „Österreich, das die Totalität des Christentums verwirklicht“? Die Katholische Kirche und ihr Verhältnis zum „autoritären Ständestaat“

cover: "italienischer faschismus - deutschsprachiger katholizimus"Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ meldete in ihrer Ausgabe vom 7. Juli 2010, dass die Gedenkmesse zum Todestag von Engelbert Dollfuß in der Hauskapelle des Bundeskanzleramtes abgesagt sei und nun am 2. November 2010 stattfinden werde. Dabei werde nicht nur Dollfuß’, sondern aller verstorbenen Kanzler gedacht, gab das Bundeskanzleramt bekannt. Die Absage war erfolgt, da laut Kanzleramt das Datum zu “ungewollten politischen Interpretationen” geführt habe.2 Dollfuß war am 25. Juli 1934 im Verlauf des Juliputsches ermordet worden, und an diesem Datum wurde bisher jährlich ein Gedenkgottesdienst gefeiert. Diese bemerkenswerte Form eines staatlichen Rituals wurde seit den sechziger Jahren unter christlich-sozialen wie sozialdemokratischen Regierungen abgehalten. Obwohl es den meisten ÖsterreicherInnen vor der medialen Debatte im Sommer 2010 unbekannt gewesen sein dürfte, zeigt das Ritual – und v.a. die Kontroverse darum – die Präsenz des österreichischen Faschismus im Gedächtnis der Republik. Dass eine katholische Messe dem Ritual seine Form gibt, demonstriert die enge Verknüpfung von Katholizismus und sich ständisch gebendem Staat am Ende der Ersten Republik, und eben diese enge Verknüpfung wird Thema des folgenden Textes sein. Weiterlesen »

25/06/2012

„Fight Poverty not the Poor!“

Bettelverbote gefährden die Grundrechte.

Kranich 3-06_14Das Salzburger Landessicherheitsgesetz1 spricht im § 29 ein absolutes Bettelverbot aus: „(1) Wer an einem öffentlichen Ort oder von Haus zu Haus von fremden Personen unter Berufung auf wirkliche oder angebliche Bedürftigkeit zu eigennützigen Zwecken Geld oder geldwerte Sachen für sich oder andere erbittet, begeht eine Verwaltungsübertretung und ist mit einer Geldstrafe bis zu 500 € und für den Fall der Uneinbringlichkeit mit Ersatzfreiheitsstrafe bis zu einer Woche zu bestrafen. (2) Bei Vorliegen von Erschwerungsgründen kann auch der Verfall des Erbettelten oder daraus Erlösten ausgesprochen werden.“

Das Salzburger Bettelverbot ist – wie die bestehenden Bettelverbote in anderen Bundesländern2 – beim Verfassungsgerichtshof (Vfgh.) beeinsprucht worden, und der Vfgh. befasst sich in dieser Frühjahrssession mit den grundrechtlichen Fragen und Problemstellungen, die diese unterschiedlich formulierten Verbote aufwerfen. Weiterlesen »

18/09/2011

Besprechung: Josef P. Mautner, Nichts Endgültiges

“… Die spezifisch literarische Form religiöser Äußerungen wird von Mautner in den Vordergrund gerückt. In dieser Hinsicht leistet Mautners Studie einen neuen, bedeutenden Beitrag zur Forschung zur literarischen Moderne und insbesondere zu deren Beziehung zur Religion.

Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt von Mautners Studie ist die Neukonzeption des von Derrida stammenden Begriffs der Dekonstruktion als positives Verfahren. Mautners “Dekonstruktion” ist kein “von außen aufgezwungener Zerstörungsprozess” (S.11), sondern ein Prozess der inneren Analyse und Selbstbetrachtung, der der Religion und Literatur innewohne, und der diese beiden Bereiche miteinander verbinde. Hinzu kommt das Verständnis von Dekonstruktion als einem unvermeidlichen Bestandteil der historischen Wandlung und Entwicklung beider Bereiche: “Für die späte Moderne ließe sich die These formulieren, dass die Literatur in ihrer kritischen und verfremdenden Bezugnahme auf religiöse Traditionen mit deren innerer Fähigkeit zu Wandlung und Entwicklung in Auseinandersetzung tritt.” (S.10) In dieser Hinsicht werde die oft als Merkmal der Post-Moderne schlechthin betrachtete Dekonstruktion zu einem innewohnenden Merkmal der Religion und Literatur an sich. So entspricht Mautner Derridas ursprünglichen Intentionen hinsichtlich der Dekonstruktion und vermeidet die unter der Federführung der Postmoderne verbreiteten Fehlinterpretationen oder falschen Anwendungen des Begriffs. So lassen sich nach Mautner auch die Grenzen zwischen Moderne und Post-Moderne vernachlässigen, wenn nicht ganz aufheben und dies zeigt auch seine Auswahl von Autoren.(…)

Indem er die Dekonstruktion positiv wendet und als einen Prozess definiert, der sowohl der Religion als auch der Literatur innewohnt und beide verbindet, bringt Mautner ein starkes Argument für die fortbestehende Relevanz der Religion für die Analyse moderner literarischer Texte hervor. Sein Bestehen auf einer Verbindung von religiösen Themen und Anspielungen mit deren spezifisch literarischen Formen in der Literatur des 20. Jahrhunderts eröffnet einen neuen wichtigen Ansatzpunkt für die Erforschung der literarischen Moderne, die bisher eher die ästhetischen Bedeutungen der Auseinandersetzung mit der Religion ignoriert hat. Mautners Studie bringt überzeugend zum Ausdruck, dass die ‘Bibelskepsis’ und ‘Glaubenskrise’ der Moderne und der Post-Moderne kaum zu einer Verweigerung der Auseinandersetzung mit Transzendentalität und Religion geführt haben, auch bei den Werken, deren stilistische Bedeutung für die moderne Literatur unbestritten ist.”

Carly McLaughlin, in: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen. 248. Band / 163. Jahrgang, 1. Halbjahresband 2011, 161-163.

12/07/2011

Jürgen Ebach: SchriftStücke

Buchbesprechung

„Wie wäre es, wenn eine kritische Theorie der Bibel im emphatischen Sinne Aufmerksamkeit zuteil werden ließe“? fragt Jürgen Ebach im Vorwort zu seinem Buch „SchriftStücke“. In einem bestimmten, nämlich einem umgekehrten Sinne sind die in diesem Buch zusammengefassten „Passagen“ (in der Bedeutung von Walter Benjamins Verwendung des Begriffs) genau das: Ein Theologe, dessen Denken durch die kritische Theorie geschärft und vorsichtig geworden ist, wendet der Bibel diese für einen Bibelwissenschaftler ungewöhnliche Form der Aufmerksamkeit zu. Weiterlesen »

29/06/2011

Verborgene Fundamente. Ein Spaziergang durch die Stadt.

Was macht die Fundamente einer Stadt aus? Was sind die Grundlagen, aus denen heraus sie sich als Gemeinwesen von freien und gleich berechtigten Menschen entwickeln kann, statt eine „Todeskrankheit“ (Thomas Bernhard), eine Agglomeration von Ohnmächtigen und Machthabenden, von Armutsbedrohten und Besitzenden, von Namenlosen und Namhaften zu sein? Was gibt den acht Buchstaben SALZBURG eine Bedeutung, die es wert ist, sie im Gedächtnis zu behalten? Sind es die Grundmauern des alten Domes, die Altstadthäuser, die Festung oder der „Jedermann“, die großen Einkaufstempel an der Peripherie? Wohl kaum. Wenn es jedoch nicht das an der Oberfläche Liegende, nicht das von allen Beachtete und Gesehene ist, was ist es dann? Weiterlesen »

29/06/2011

„Die Zeit macht aus ihren Zeugen immer Vergessende“. Katholizismus und Nationalsozialismus im Werk von Thomas Bernhard.

Die Geschichte interessierte mich, aber nicht so, wie sie sich für unsere Geschichte interessierten, sozusagen nur für die als zu Hunderten und zu Tausenden aufeinandergelegten Ruhmesblätter, sondern als Ganzes. Was sie niemals gewagt hatten, in ihre fürchterlichen Geschichtsabgründe hinein und hinunter zu schauen, hatte ich gewagt.“ 1

Auf den ersten Blick scheint es der Unverschämtheit einer typisch Bernhard’schen Provokation nahe zu kommen, den österreichischen Schriftsteller der ‚literarischen Publizistik des deutschsprachigen Katholizismus’ zuordnen zu wollen. Gerade ihn, der sich jeder Zuordnung vehement entzogen hatte, unter dieses Milieu zu rubrizieren, mag zum Widerspruch reizen, hätte vermutlich auch ihn selber zum Widerspruch gereizt. Auf die Frage: War Thomas Bernhard ein katholischer Schriftsteller? – sind zwei sich ausschließende Antworten möglich; die eine: ‚Er war alles andere als das! Sein ganzes Werk seit dem ersten Roman, Frost, entwickelt einen literarischen Diskurs, der frontal gegen den Katholizismus, seine pädagogischen, kulturellen und religiösen Implikationen gerichtet ist.’ – Die andere: ‚Bernhard war ganz selbstverständlich katholisch geprägt.’

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29/06/2011

Was heißt hier Integration?

Zum Spannungsfeld zwischen Begriff und Wirklichkeit

Der Begriff

„Integration“ ist ein Querschnittsbegriff, der von vielen Wissenschaftsbereichen (z.B. Sozial- und Sprachwissenschaften, Betriebswirtschaft, Mathematik und Informatik) in unterschiedlichen Bedeutungen verwendet wird. In seiner allgemeinen Bedeutung bezeichnet das lateinische Wort die (Wieder-)Herstellung eines Ganzen, einer Einheit durch Einbeziehung außen stehender Elemente. Auf soziologischer Ebene versteht man unter Integration die Verbindung einer unterschiedlichen Vielzahl von Menschen(-gruppen) zu einer gesellschaftlichen Einheit. 1 Der Begriff ist zu einem Wort der Alltagssprache geworden, das in den verschiedensten Kontexten verwendet, vielfältig verstanden und unterschiedlichen, ja widersprüchlichen politisch-ideologischen Zielsetzungen untergeordnet wird. Weiterlesen »

29/06/2011

„Hingabe an die fremde Welt“?

Friedrich Heer und der Linkskatholizismus

Der Denker Friedrich Heer ist nicht mit einer einfachen, schlagwortartigen Zuschreibung erfasst. Auf ihn wurde sowohl die Bezeichnung als Linksliberaler wie auch die des Konservativen angewandt; er galt als ‚dilettierender’ Universalhistoriker ebenso wie als engagierter Publizist. Die Etikettierungen sind zahlreich, und es trifft ihn keine von allen wirklich. Zum 20. Todestag F. Heers fand sich auf der Website des ORF unter ‚religiON-NEWS’ eine Würdigung des „Historikers, Publizisten, Kulturphilosophen und Schriftstellers“, die verschiedene Aspekte seines Denkens und seiner Schriften kurz beleuchtet.
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29/06/2011

Die Katastrophe begreifbar machen. Eine kleine Soziologie der Engel resp. ihres Erscheinens in der Literatur der Gegenwart.

Damals wusste ich noch nicht, dass es die Engel sind, die uns beschwören. Nicht wir sind es, die sie erträumen, die Engel träumen uns.“

Ilse Aichinger

In der Überlieferungsgeschichte der drei abrahamitischen Religionen findet sich eine unüberschaubare Vielfalt von imaginierten Sozialformen der als „angelos“, „mal’ach“ oder „al-Mala’ika“ bezeichneten Geistwesen. Sie reichen von den elaborierten Fantasiewelten der Engelshierarchien, die einen eigenen religionsgeschichtlichen Strang vom 3. vorchristl. Jahrhundert bis in die Gegenwart bilden, über die in unterschiedlicher Weise mythisch besetzte Vorstellung von „Gottessöhnen“ und „Engeln Jahwes“ im Ersten Testament bis zu den zunächst anonym bleibenden „Fremden“, die den Einbruch einer transzendenten Erfahrung, einer Botschaft von Jahwe, in die geschlossene Plausibilität menschlicher Verhältnisse verkörpern. Weiterlesen »

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