Archive for Dezember, 2014

11/12/2014

„Es gäbe viele unter uns, die großes Potential haben. Aber die Mehrheit sagt: Ihr seid Zigeuner!“

Stolipinovo_PartnerDie Plattform für Menschenrechte Salzburg (www.menschenrechte-salzburg.at) arbeitet seit September 2014 in einer Partnerschaft mit der ROMA-Foundation (Foundation for Regional Development ROMA Stolipinovo) in Plovdiv/Bulgarien zusammen. Die ROMA-Foundation ist eine Selbstorganisation von Roma, die in Stolipinovo sowie in den Vierteln und Dörfern im Bezirk Plovdiv leben. Die Foundation entwickelt Projekte, die die Lebensbedingungen der Roma sowie ihre soziale und gesellschaftliche Situation verbessern, und führt sie durch. Die Partnerschaft zwischen Plattform für Menschenrechte und ROMA-Foundation hat Austausch und gegenseitige Unterstützung in der regionalen Menschenrechtsarbeit zum Ziel.

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11/12/2014

Begegnungen auf Augenhöhe. Das Projekt Salzburger Städtepartnerschaften mit Kommunen in Süd Ost Europa.

In der Plattform für Menschenrechte 1 wird seit einiger Zeit ein Projekt diskutiert, das von großem Wert für Politik und Zivilgesellschaft in Salzburg sein könnte: eine Kommunal- bzw. Städtepartnerschaft zwischen einer oder mehreren Salzburger Kommunen und einer oder mehreren Kommunen aus dem südosteuropäischen Raum. Ausgangspunkt der Idee einer solchen Städtepartnerschaft ist das Faktum der Notreisen und Pendelmigrationen von Menschen aus dem südosteuropäischen Raum. Die Erhebung, die im Auftrag des „Runden Tisches Menschenrechte“ im Zeitraum von Februar bis Mai 2013 in der Stadt Salzburg durchgeführt wurde 2, ergab, dass sich im Zeitraum der (annähernden) Vollerhebung Ende Februar mehr als 120 Menschen aus südöstlichen Mitgliedsstaaten der EU aufgehalten haben. Mit ihnen sind insgesamt 39 minderjährige Kinder gereist. Diese Notreisenden haben in ihren Herkunftsländern kein die Existenz ermöglichendes Einkommen aus Erwerbsarbeit oder Transferleistungen. Sie sind überwiegend langzeitarbeitslos oder nie im Erwerbsprozess gestanden. Der überwiegende Anteil der Notreisenden, die Ende Februar befragt wurden (80 %), kam aus Rumänien (u.a. aus der Kleinstadt Crizbav im Bezirk Brasov oder aus der Region Arges). Die Herkunftsländer Polen und Slowakei erreichten einen deutlich geringeren Anteil (je10 %). Weitere, vereinzelte Notreisende kamen aus Tschechien, Ungarn und Bulgarien. 41% der Notreisenden insgesamt gaben an, dass sie der Volksgruppe der Roma angehören. 14 RespondentInnen aus der Kleinstadt Crizbav gehörten zur ungarisch sprechenden Minderheit Rumäniens.

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11/12/2014

Das Wort „Asyl“: Theologie – Geschichte – Grundrecht

Multikulti„Der Pass ist der edelste Teil von einem
Menschen. Er kommt auch nicht auf so einfache
Weise zustand wie ein Mensch. Ein
Mensch kann überall zustand kommen, auf
die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten
Grund, aber ein Pass niemals. Dafür wird
er auch anerkannt, wenn er gut ist, während
ein Mensch noch so gut sein kann und doch
nicht anerkannt wird.“

Ich beginne mit einer Passage aus den „Flüchtlingsgesprächen“, die der deutsche Schriftsteller Bertolt Brecht im Herbst 1940 in Finnland – also auf einer der zahlreichen Stationen seiner Flucht vor den Nationalsozialisten – verfasste, bevor er über die Sowjetunion in die USA einreisen konnte. Denn diese Textpassage gibt mit großer Genauigkeit wieder, wie Flüchtlinge und Asylsuchende das Handeln und die Einstellungen staatlicher Behörden ihnen gegenüber empfinden: „Ich als Mensch bin NICHTS. Der Pass, der verbürgte Nachweis einer Staatsbürgerschaft, ist ALLES. Meine persönliche (Not)Situation bedeutet nichts. Nur der abstrakte Nachweis einer Verfolgungssituation zählt.“

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11/12/2014

„In ihre fürchterlichen Geschichtsabgründe hinunter zu schauen“.

Hist.RomanThomas Bernhards Auslöschung als Auslöschen der Geschichte

„Die Geschichte interessierte mich“. Indem Franz-Josef Murau, der Protagonist von Thomas Bernhards Roman Auslöschung, diese Äußerung seines Onkels Georg zitiert, benennt er gleichzeitig sein eigenes Interesse, das ihn zur Niederschrift seines „Berichtes“ geführt hat.1 Dieses Interesse, das Murau mit seinem Onkel teilt, steht jedoch im Gegensatz zum Interesse aller anderen Mitglieder seiner Familie an einer Geschichte, die er im zweiten Anlauf präzisierend als „unsere“ Geschichte apostrophiert: „Die Geschichte interessierte mich, aber nicht so wie sie sich für unsere Geschichte interessierten, sozusagen nur für die als zu Hunderten und zu Tausenden aufeinandergelegten Ruhmesblätter, sondern als Ganzes.“ Um diese Ganzheit der nun als gemeinsame, mit der Familie geteilte (an)erkannten Geschichte zu erfassen, bedarf es einer bislang in dieser Form nicht vollzogenen Wahrnehmung, eines Hinein- und Hinunterschauens: „Was sie niemals gewagt hatten, in ihre fürchterlichen Geschichtsabgründe hinein und hinunter zu schauen, hatte ich gewagt.“2

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