Bücher

Agenda Menschenrechte CoverJosef P. Mautner
Agenda Menschenrechte
Notizen zum politischen Proceß
ISBN 978-3-99014-086-4, 96 S., EUR 9,90
www.muerysalzmann.at

Besprechungen:
“Eine Agenda zur Veränderung” (Bernhard Jenny)
“Ich hätte nicht gedacht, dass das auch mich betrifft.” (Peter Ebner)

Diese Notizen sind im Zusammenhang der Menschenrechtsarbeit im Rahmen der „Plattform für Menschenrechte“i entstanden. Die Geschichten sind in der Regel anonymisiert wiedergegeben und mit fiktiven Namenskürzeln versehen. Sie spiegeln die Erfahrungen von Menschen, die von Grundrechtsverletzungen betroffen sind mit einem „politischen Proceß“ in Österreich. Der Begriff „politischer Proceß“ orientiert sich am Wahrnehmungsmodell Franz Kafkas und bezeichnet das Zusammenstoßen von einzelnen Menschen, die ohne bzw. ohne ausreichende Handlungsmacht sind, mit machtvollen Systemen oder Individuen. In der Regel wird dieses machtvolle Gegenüber als anonyme Instanz wahrgenommen, der gegenüber den Betroffenen keine angemessene Möglichkeit zu reagieren bleibt.
>>> weiterlesen

Die dunkle Frau

Assias Geschichte ist eine Erfindung. Die Erlebnisse, Träume und Empfindungen, die Hoffnungen und Ängste, von denen in ihr erzählt wird, sind jedoch tatsächlich geschehen. Sie wurden mir erzählt von Menschen, die sich während ihrer Flucht in Salzburg aufhielten. Manche von ihnen sind hier geblieben, die meisten weiter gewandert. Vor allem haben mich die Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen während ihrer Flucht oder Migration beschäftigt. Denn ihr Leben bewegt sich in besonders intensiver Weise zwischen verschiedenen Welten: zwischen dem Land ihrer Familien und ihrer Herkunft sowie jenen Kulturen, in denen sie Station machen oder in denen sie – mehr oder weniger – angekommen sind. Viele ihrer Empfindungen haben mit ihrer Geschichte zu tun, mit anderen reagieren sie auf die Einstellungen der Umwelt zu ihrer Herkunft und ihrer Hautfarbe.

Den Namen „Assia“ wählte ich, weil er ein im Arabischen beliebter und verbreiteter Name ist. Assia bedeutet „Asien“, das aus arabischer Perspektive ein unbekannter, geheimnisvoller Orient war. Ich schließe aus seiner Bedeutung: Es gibt überall ein von Mythen verdecktes Land der Sehnsucht, zu dem wir hinkommen oder zurückkehren möchten. Wo es liegt, hängt immer vom Standort der BetrachterInnen ab. Zufällig – doch das erfuhr ich erst, als ich den Namen bereits ausgesucht hatte – ist Assia auch der Name jener ägyptischen Prinzessin, die Mose als kleines Kind aus dem Nil gerettet hat und die deshalb im arabischen Raum als Heilige verehrt wird. Die anderen Personen der Erzählung bewegen sich in Assias äußerer wie auch in ihrer inneren Welt. Die Grenze zwischen Innen und Außen ist fließend; in besonderem Maße gilt das für die dunkle Frau.

Josef Mautner / Gudrun Gstach: Die dunkle Frau. Salzburg 2011
http://www.edition-tandem.at

___________________

Nichts Endgültiges

Im Anschluss an Roland Barthes verstehe ich diesen Text nicht anders als einen Eingang zu einem Labyrinth mit unzähligen Eingängen. Ein Buch aufzuschlagen, es zu lesen, bedeutet, sich darin zu verlieren. Ich lese eine Seite, diese Seite führt mich zur nächsten. Ein Zitat oder ein Wiedererkennen im Text verleitet mich dazu, ein anderes Buch aufzuschlagen, darin nach dem Zitat (oder dem Verweis) zu suchen, und ich lese mich wieder fest. Dazwischen treffe ich einen Freund im Café und diskutiere mit ihm das Gelesene, eine Bekannte setzt sich dazu, und wir versuchen ihr – bruchstückweise und fehlerhaft, das Besprochene wiederzugeben. Anekdote folgt auf Anekdote, und ein neuer Text bildet sich. An keiner Stelle des Labyrinthes ist ein Ende oder gar Endgültiges in Sicht.

Also lade ich Sie ein, mir auf dem Weg in ein Labyrinth zu folgen, das fünf Eingänge zu fünf AutorInnen enthält, die wiederum – jeder für sich – eine Unzahl an möglichen Eingängen eröffnen. Die Auswahl ist subjektiv und dennoch durch den Gegenstand nahegelegt: es handelt sich um fünf AutorInnen, die für die späte Moderne prägend wurden und in ihren Texten einen je eigenen Bezug zu ihrer religiösen Tradition entwickelt haben. Die fünf literaturwissenschaftlichen Reflexionen sind eingerahmt und unterbrochen durch ein Gespräch, das ich mit der Theologin Dorothee Sölle zum Verhältnis von Literatur und Religion in der Moderne geführt habe. Hier wird sozusagen im Café über die konzentrierte Arbeit der Lektüre in der Form loser Einfälle und Assoziationen nachgedacht. Die Gliederung soll keine strenge Struktur vortäuschen; sie ist nicht mehr als eine unvollständige Landkarte, um auf dem Weg durch das Labyrinth in Annäherungen Orientierung zu geben.

Nichts Endgültiges. Literatur und Religion in der späten Moderne. Würzburg 2008.

___________________

Mein Österreich

Was ist Heimat? Was ist Fremde? Ich glaube, diese Frage stellen sich alle Menschen, die irgendwann im Laufe ihres Lebens eine erste Heimat verlassen mussten. Es ist eine drängende Frage, weil unser Leben einen Ort braucht. Unsere Identität ist nicht nur mit dem Ort, wo wir leben verbunden. Sie ist ebenso verknüpft mit jenen Orten, an denen wir im Verlauf unserer Geschichte schon gelebt haben – vor allem mit den Orten unserer Kindheit.

Mein Österreich. MigrantInnen und ihre zweite Heimat (gem. mit Y. Prandstätter). Salzburg – München 2006.

www.pustet.at/; verlagsauslieferung@spv-verlage.at

___________________

Der Kobold der Träume

Träume sind die flüchtigen Begleiter unserer Nächte. In ihnen kehrt die Tageswirklichkeit wieder, und gleichzeitig entsteht eine andere Realität. Die erlebte Wirklichkeit, alles das, was in unserer Erinnerung zu Geschichten und letztlich zur Geschichte geformt wird, bildet auch den Ausgangspunkt der Träume. (…)

Dieses Buch versammelt aufgezeichnete Träume von dreizehn Künstlerinnen und Künstlern. (…) Sie alle gewähren Einblick in die Sprach- und Bildwelten ihrer Träume, ohne ihnen aber ihr Geheimnis zu entreißen.

Der Kobold der Träume. Spuren des Unbewussten (gem. mit R. Habringer). Wien 2006.

___________________

Gott im Dunkeln

Es gibt Orte, an denen sich reiches Leben entfaltet hatte, die in einem hohen Maße kultiviert waren. Ihr Name war im allgemeinen Bewusstsein gegenwärtig. Doch diese Präsenz ist ausgelöscht. Sie sind vergessen, ihre Kultur ist zerstört, ihr Leben verschwunden. Manches Mal holt der Mythos einen dieser Orte ins Gedächtnis zurück, konstruiert ihn anders oder hat ihn überhaupt neu erfunden. Die Religion – so scheint es – wird einem solchen Ort immer ähnlicher. Verlassen, vergessen und verloren?

Gott im Dunkeln. Religion in den Lebenswelten der späten Moderne (gem. mit A. Halbmayr) Innsbruck 2003.Innsbruck@tyrolia.at

___________________

Es ist ein Feuer, ein Denken mit dem Herzen

Am Beginn der Gespräche frage ich meine Gesprächspartner nach den Bildern, die das Wort Liebe bei ihnen hervorruft. Denn in meiner Beziehung zur Sprache spielen Gefühle und Bilder eine wichtige Rolle, und ich vermute, daß auch bei andern Menschen viele Worte von inneren Bildern begleitet sind. Es gibt reiche und arme Worte, solche, die mir ein wärmendes Spektrum an Empfindungen eröffnen und solche, die gleichgültig an mir vorüber ziehen und mich kalt zurücklassen.

Es ist ein Feuer, ein Denken mit dem Herzen. Gespräche über die Liebe. Salzburg 2001.

___________________

Salzburg:Blicke

Bekanntlich existiert Salzburg nicht wirklich, sondern ist ein universaler Mythos wie das Gesicht der Garbo, Mickey Mouse oder der Kopf Einsteins.

Salzburg:Blicke (gem. mit H. Embacher und E. Fürlinger). Salzburg – Wien 1999.

.

.

___________________

Himmelsleitern

Das Gespräch zwischen Dorothee Sölle und mir, das zum Text dieses Buches geworden ist, fand am 18. Dezember 1995 in ihrem Haus in Hamburg statt. Es ist ein altes Haus vor einem schönen Garten: ein guter Ort zum Reden. Als kräftige Unterstützung stellte Frau Sölle ausgezeichnete Zigarillos und mehrere Kannen pechschwarzen Tees zur Verfügung.

Himmelsleitern. Ein Gespräch über Literatur und Religion (gem. mit D. Sölle; mit Bildern von H. Falken). Salzburg – München 1996.

___________________

fremde heimat salzburg

Walter Benjamin spricht in seinen Thesen über den „Begriff der Geschichte“ von jener Wahrheit, „daß nichts, was sich jemals ereignet hat, für die Geschichte verloren zu geben ist“. Die Lebensgeschichten der Menschen in diesem Buch sind ein Teil der Geschichte Salzburgs, und wir werden, wenn wir diese Geschichte in ihrer Ganzheit begreifen wollen, sie uns erzählen lassen. Sie machen diese Stadt reicher, nicht wie uns das Konsumverhalten Tausender von Touristen reicher macht, sondern auf einer Ebene der Wirklichkeit, wo wir es durchaus nötig haben, uns bereichern zu lassen.

fremde heimat salzburg. (mit Fotos von A. Kampfer). Salzburg – München 1995.

___________________

Das zerbrechliche Leben erzählen …

Dieses Buch ist kein fertiges, abgerundetes Produkt; es will auch keine ‚gültigen‘ Wahrheiten vermitteln. Viel eher dokumentiert es einen Prozeß der Auseinandersetzung mit Literatur, der mit seiner Veröffentlichung nicht zuende geht. (…)

Der wichtigste Grundsatz, dem die Reflexionen dieses Buches verpflichtet sind, ist es, die Erfahrungen und Geschichten von Menschen ernstzunehmen, sie nicht als akzidentelle Bestandteile irgendeines Systems zu vergleichgültigen – und zwar vor allem die Erfahrungen jener Menschen, die zu Opfern und Leidenden einer Geschichte (gemacht) wurden, die nicht mehr die ihre ist.

Das zerbrechliche Leben erzählen … Erzählende Literatur und Theologie des Erzählens. Frankfurt/Main 1994.


Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: